DT2go Lesetipp:

DT-Finanzkolumne Ausgabe Oktober

Investiert bleiben - Durchhalten ist Kunst.

DT-Finanzkolumne DT-Finanzkolumne

Unsere monatliche DT-Finanzkolumne wird betreut von Uwe Herrlinger. Er ist Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung swisspartners AG in Vaduz:

Die Sommerferien sind vorbei, das Laub beginnt, sich gelb zu färben, und die Anleger überlegen sich, ob sie weiterhin in die Aktienmärkte investieren sollen. Dafür gibt es zurzeit genügend «good news»: Das Tempo der Zinserhöhungen in Amerika scheint über das nächste Jahr langsam zu sein, und Europa freut sich über die erstarkte Wirtschaft und die zurückgekommene Zuversicht.

Europa

In den letzten Wochen erlebten portugiesische Anleihen ihre grösste Rally seit mehr als fünf Jahren, weil eine Ratingagentur das Land wieder auf Investment Grade hinaufstufte. Unterdessen schafft es Macron in Frankreich, Marktstrategen für seine Arbeitsmarktreform-Pläne zu gewinnen. Ausserdem konnten die meisten europäischen Unternehmen die Gewinnerwartungen erfüllen. Vielleicht von ähnlicher Bedeutung ist die wachsende Auffassung, dass Draghi sogar noch zusätzliche geldpolitische Lockerungen (Quantitative Easing) ankündigen könnte, sofern der Euro weiter steigt – auch wenn die Devisenspekulanten diese Warnung zu ignorieren scheinen.

Die Anlegerpsychologie spielt eine grosse Rolle an den Finanz- und Aktienmärkten. Trotz einer Reihe guter Nachrichten, einer Erholung des Wirtschaftswachstums und eines günstigen politischen Ausblicks in Europa gibt es immer noch Anleger, die den Aktienmärkten gegenüber skeptisch sind. Dies ist insofern verständlich, als dass die grosse Finanzkrise von 2007/2008 in ihren Köpfen noch sehr präsent ist. Um jedoch eine angemessene Rendite zu erzielen, gibt es unserer Ansicht nach zwei Dinge zu befolgen.

Erstens sollten Investoren versuchen, über längere Zeit investiert zu bleiben. Das ist einfacher gesagt als getan. Denn wir leben in einer Welt, in der viele Anleger es bevorzugen, eine Position zu verkaufen, wenn es nach kurzer Zeit die erwünschten Renditen geliefert hat. Dennoch haben wir festgestellt, dass einige unserer besten Renditen von Unternehmen kommen, die unsere Erwartungen regelmässig erfüllt haben.

Zweitens wird der Begriff Leidenschaft von den Medien heutzutage etwas überstrapaziert. Manchmal sehen wir aber tatsächlich Management-Teams, die über viele Jahre mit echten Visionen und Tatendrang auffallen. Solche Charakteristiken gepaart mit soliden Leistungsausweisen sind nicht leicht zu finden, da viele CEOs bereits nach drei bis vier Jahren die Firma wechseln. Genauer anschauen sollte man aber CEOs, welche ihr Unternehmen von Grund auf aufgebaut, viele Überstunden geleistet und starke Teams gebildet haben.

Brexit

In Grossbritannien scheint die Conservative Party in ihren traditionellen Herbstmodus verfallen zu sein: Es wird um Einfluss rund um die Brexit-Diskussionen gerangelt. Angesichts der Tatsache, dass verschiedene grosse Banken und Arbeitgeber bereits jetzt formell angeben müssen, ob ihre Hauptsitze in Grossbritannien bleiben werden, haben wir in den letzten zwölf Monaten bei den Londoner Wohnimmobilienpreisen einen Abwärtstrend von 10 bis 15% festgestellt.

Dies ist bedenklich, weil Immobilien in Grossbritannien populäre Anlagen sind und ein nützlicher Indikator für die Konsumentenstimmung darstellen. Es bleibt abzuwarten, ob die Wählerschaft einen sehr sanften Brexit oder vielleicht sogar ein zweites Votum zum Thema fordern wird. Letzteres mag einige Leser erstaunen. Dennoch wächst in Grossbritannien der Glaube, dass in den TV-Debatten unzureichende Details über die wirtschaftlichen Auswirkungen eines EU-Austritts dargestellt wurden.

Interessierte Leser unserer DT-Finanzkolumne können mich gerne über die E-Mail-Adresse: uwe.herrlinger@swisspartners.com kontaktieren.

Uwe Herrlinger, swisspartners AG Zürich, Foto: (c) privat

Uwe Herrlinger, swisspartners AG Zürich, Foto: (c) privat

Uwe Herrlinger, Jahrgang 1968, ist gebürtiger Homburger. Nach dem Abitur am Saar-Pfalz-Gymnasium, Banklehre bei der Dresdner Bank in Saarbrücken und Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Passau verdiente er sich zunächst seine Sporen im Investment Banking Geschäft in der City von London. Er baute dann in Frankfurt das Firmenkundengeschäft für eine spanische Großbank auf, bevor er vor 13 Jahren in die Schweiz zog. Dort arbeitete er zunächst für die Privatbank Vontobel im Asset Management und betreute dann vermögende Privatkunden bei UBS, der grössten Schweizer Bank. Seit 2013 ist er Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung swisspartners AG in Vaduz.

DT2go-Wochenpost 

Jetzt kostenfrei unseren Newsletter bestellen!

Wir beachten die Datenschutzbestimmungen.