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DT-Finanzkolumne Ausgabe Juni

Von Seifenopern und Beziehungskonflikten.

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Unsere monatliche DT-Finanzkolumne wird betreut von Uwe Herrlinger. Er ist Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung swisspartners AG in Vaduz:

Seifenoper im Weißen Haus

Die Entlassung des FBI-Direktors und der Austausch von heiklen Informationen nährten die Schlagzeilen rund um den US-Präsidenten. Sie lesen sich wie ein schlechtes Skript einer Seifenoper. Weitere Windungen und Wendungen würden nicht überraschen.

Der Ruf nach einem Absetzungsverfahren wird lauter. Doch Tatsache ist, dass ein solcher Prozess schwierig durchzusetzen ist. Der Präsident geht zwar auf dünnem Eis, doch die dokumentierten Fakten sind ebenso dünn. Ein Absetzungsverfahren würde voraussetzen, dass sich etliche republikanische Parteigenossen gegen Trump wenden. Wir stufen dies als höchst unwahrscheinlich ein. Es sei denn, er verliert die Gunst seiner Basiswähler, was nicht geschehen wird. Interessant ist, dass auf den sozialen Medien nur 30 Prozent der Leute sich für das aktuelle FBI-Drama interessieren. Dass die Informationslecks gleichzeitig auftraten, hat für einen unparteiischen Beobachter einen schalen Beigeschmack. Dies könnte sogar den Support durch die Anhänger Trumps stärken, falls dieser ihrer Meinung nach ungerecht behandelt wird.

Viele Beobachter kratzen sich die Stirn und wundern sich, weshalb die US-Aktien nicht deutlich tiefer notieren. Man sollte sich aber daran erinnern, dass die Märkte – abgesehen von kurzfristigen Fluktuationen – darauf bedacht sind, dass die Zinsen tief bleiben, die momentane Regierung wirtschaftsfreundlich ist, das Gewinnwachstum in der laufenden Berichtsperiode um die 12% beträgt und sich die globale Konjunktur erholt.

Ein Rückblick auf Bill Clintons Absetzungverfahren bestätigt: Dank der guten ökonomischen Fundamentaldaten blieben die Märkte gut gelaunt.

Neue Liebe in Frankreich

Das Treffen zwischen Merkel und Macron sowie die Pressekonferenz danach beschworen recht positive Szenarien hervor, und es ist zu hoffen, dass dem auch Taten folgen. Eine Revision der Europäischen Union, um diese effizienter, zuverlässiger und lieferfähiger zu machen, ist überfällig und dringend. Eine starke französisch-deutsche Allianz wird dazu beitragen, dass sich die Dinge in eine positive Richtung entwickeln. Und die Tatsache, dass beide Seiten einer Vertragsanpassung zustimmen, wird die Spielregeln ändern.

Macrons Beharren, die französische Wirtschaft in Schwung zu bringen (wohlgemerkt ohne Privatisierung der Schulden, wie von vielen befürchtet) sollte Merkel schmeicheln. Sie hat jetzt mehr Spielraum, sich grosszügig zu zeigen, nachdem die lokalen Wahlen ihr den Rücken gestärkt haben. Dies sowie die anhaltende Erholung Spaniens und nun auch Portugals lassen die Eurozone allmählich als sicheren Hafen erscheinen. Ja, Sie haben richtig gelesen, kneifen Sie sich in den Arm, Sie träumen nicht!

Eine freundschaftliche Scheidung?

Die Ernennungen und politischen Kampagnen in Grossbritannien deuten auf einen harten Brexit hin. Die Eskalation der Wortgefechte zwischen dem Königreich und der Eurozone mögen zwar die britische Wählerschaft aufwühlen, dürften aber wenig hilfreich für die Brexit-Verhandlungen sein.

Normalerweise wird bei Scheidungen von allen Parteien eine schnelle und einvernehmliche Lösung angestrebt. Diese Haltung kann sich jedoch rasch ändern, wenn es zu den Details kommt. Dass sich Grossbritannien und die Eurozone schon in den Haaren liegen, bevor sie überhaupt Detailberatungen aufgenommen haben, lässt nicht gerade auf eine freundschaftliche Scheidung schliessen.

Interessierte Leser unserer DT-Finanzkolumne können mich gerne über die E-Mail-Adresse: uwe.herrlinger@swisspartners.com kontaktieren.

Uwe Herrlinger, swisspartners AG Zürich, Foto: (c) privat

Uwe Herrlinger, swisspartners AG Zürich, Foto: (c) privat

Uwe Herrlinger, Jahrgang 1968, ist gebürtiger Homburger. Nach dem Abitur am Saar-Pfalz-Gymnasium, Banklehre bei der Dresdner Bank in Saarbrücken und Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Passau verdiente er sich zunächst seine Sporen im Investment Banking Geschäft in der City von London. Er baute dann in Frankfurt das Firmenkundengeschäft für eine spanische Großbank auf, bevor er vor 13 Jahren in die Schweiz zog. Dort arbeitete er zunächst für die Privatbank Vontobel im Asset Management und betreute dann vermögende Privatkunden bei UBS, der grössten Schweizer Bank. Seit 2013 ist er Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung swisspartners AG in Vaduz.

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