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DT-Finanzkolumne Ausgabe Januar

Unsere monatliche DT-Finanzkolumne wird betreut von Uwe Herrlinger. Er ist Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung swisspartners AG in Vaduz:

Die Anleger fokussieren – aus unserer Sicht zu Recht – auf die Möglichkeit einer sinnvollen Senkung der US-Unternehmenssteuern, möglicherweise im ersten Quartal 2018. Es besteht sogar die Chance, dass ein solcher Deal schon früher geschlossen wird. Schon allein dieser Gedanke veranlasst viele globale Investoren, ihre Gewichtung in US-Aktien beizubehalten.

Potenzielle Steuersenkungen in den USA könnten natürlich dazu führen, dass die US-Kreditvergabe klettert. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Republikaner eine lockere Ausgabenpolitik unterstützen. Dies in der Hoffnung, dass die Wirtschaft dank gestärktem Geschäftsvertrauen, besseren Löhne und steigenden Investitionen angekurbelt wird.

Tatsächlich scheint es, dass in der gesamten westlichen Welt mehr Politiker denn je bereit sind, Steuer- oder andere Fördermassnahmen in Betracht zu ziehen, um mit steigenden Konsumausgaben und höherem Lohnwachstum einen positiven Kreislauf in Gang zu setzen. So haben vor kurzem einige linksorientierte Kommentatoren in Grossbritannien die Idee eines “universellen” Lohns für ärmere Einkommensgruppen vorgeschlagen, unabhängig davon, ob diese erwerbstätig sind oder nicht.

Ob ein bescheidenes Grundeinkommen – beispielsweise für alle Studierende – ausreichen würde, um Grossbritannien wieder in Schwung zu bringen, ist fraglich. Das Beispiel zeigt jedoch, wie weit wir seit Mitte der 90er Jahre gekommen sind, als die freie Marktwirtschaft noch als einziges wirksames Mittel angesehen wurde. Solange Grossbritannien nicht einen grossen Schritt in Richtung Sozialismus macht – was unter dem «Schatten-Prime Minister» Corbyn nicht völlig undenkbar ist –, scheint es unwahrscheinlich, dass eine solche Idee umgesetzt wird. Der Vorwurf läge in der Luft, dass Geld wirkungslos in Studentenkonten verpufft. Dies würde zweifellos die Mittelklasse erzürnen.

Unterdessen hat in Amerika die Lohnentwicklung in der letzten Dekade das Produktivitätswachstum belastet, worüber die Wähler nicht gerade erfreut sind. Diese Lohnerosion, speziell in realen Zahlen, schadet natürlich den Haushaltsbilanzen und vermindert den Wunsch der meisten Konsumenten, weiterhin Geld für die kleinen Dinge des Lebens auszugeben. Daher ist es verständlich, warum US-Politiker versuchen, die Löhne durch Konjunkturpakete anzukurbeln.

So würde eine Senkung der US-Unternehmenssteuer direkt Aktionäre begünstigen und zu einem höheren Gewinn pro Aktie führen. Dies wiederum könnte die Price-Earnings Ratio senken und somit die US-Aktien und das Verbrauchervertrauen «great again» machen – wie Trump sagen würde.

Interessierte Leser unserer DT-Finanzkolumne können mich gerne über die E-Mail-Adresse: uwe.herrlinger@swisspartners.com kontaktieren.

Uwe Herrlinger, swisspartners AG Zürich, Foto: (c) privat

Uwe Herrlinger, swisspartners AG Zürich, Foto: (c) privat

Uwe Herrlinger, Jahrgang 1968, ist gebürtiger Homburger. Nach dem Abitur am Saar-Pfalz-Gymnasium, Banklehre bei der Dresdner Bank in Saarbrücken und Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Passau verdiente er sich zunächst seine Sporen im Investment Banking Geschäft in der City von London. Er baute dann in Frankfurt das Firmenkundengeschäft für eine spanische Großbank auf, bevor er vor 13 Jahren in die Schweiz zog. Dort arbeitete er zunächst für die Privatbank Vontobel im Asset Management und betreute dann vermögende Privatkunden bei UBS, der grössten Schweizer Bank. Seit 2013 ist er Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung swisspartners AG in Vaduz.

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