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DT-Finanzkolumne Ausgabe Februar

Interview mit Uwe Herrlinger von swisspartners AG

Seit Jahren klagen viele darüber, dass es auf den Sparbüchern und für Tagesgeld kaum noch Zinsen gibt. Doch Uwe Herrlinger sagt: Das muss nicht sein.

Uwe Herrlinger, swisspartners AG Zürich, Foto: (c) privat

Uwe Herrlinger, swisspartners AG Zürich, Foto: (c) privat

Uwe Herrlinger, Jahrgang 1968, ist gebürtiger Homburger. Nach dem Abitur am Saar-Pfalz-Gymnasium, Banklehre bei der Dresdner Bank in Saarbrücken und Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Passau verdiente er sich zunächst seine Sporen im Investment Banking Geschäft in der City von London. Er baute dann in Frankfurt das Firmenkundengeschäft für eine spanische Großbank auf, bevor er vor 13 Jahren in die Schweiz zog. Dort arbeitete er zunächst für die Privatbank Vontobel im Asset Management und betreute dann vermögende Privatkunden bei UBS, der grössten Schweizer Bank. Seit 2013 ist er Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung swisspartners AG in Vaduz.

DT: Herr Herrlinger, zunächst einmal vielen Dank für Ihr Einverständnis, mit der Deutschen Tribüne ein exklusives Interview zu führen.

Uwe Herrlinger: Ich freue mich immer sehr im Saarland zu sein und finde es toll, dass meine Heimatregion, mit der Deutschen Tribüne nun endlich ein OnlineMagazin hat. Ich reise viel und habe mein Tablett immer dabei und ab sofort auch die Neuigkeiten aus Homburg.

DT: Herr Herrlinger, empfehlen Sie ihren internationalen Kunden, immer noch in Aktien zu investieren?

Herrlinger: Auf jeden Fall. Was gibt es denn für Alternativen? Wer in Bundesanleihen investiert, hat in zehn Jahren gerade mal ein paar Euro mehr, bald sogar etwas weniger. Verkehrte Welt! Die Wahrscheinlichkeit, dass man mit einem Depot aus guten Aktien im gleichen Zeitraum besser fährt, ist ungleich größer. Mit Unternehmen wie beispielsweise Nestlé, Unilever, Beiersdorf, Diageo, Inditex oder Lindt & Sprüngli. Allein deren Dividendenausschüttungen machen sie deutlich attraktiver als Bundesanleihen. Es geht uns um Unternehmen bester Qualität, um internationale Marktführer, die seit Jahrzehnten stetig wachsen, wenig verschuldet und möglichst unabhängig von politischen Entscheidungen sind. Solche Qualitätsunternehmen gehen nicht pleite, ohne dass auch die Staaten pleitegehen – und dann sind ja auch die Staatsanleihen wertlos.

DT: Die Nullzinsphase scheint aber dem Ende entgegengegangen zu sein. Ende letzten Jahres hat die US-Notenbank Fed nach langer Zeit die Zinsen erhöhen, erstmals seit 2007. Damit ging wohl eine Ära zu Ende, in der die Zinsen bei null standen und Aktionäre die großen Gewinner waren.

Herrlinger: Es wird auf absehbare Zeit keine globale Zinswende geben. Vielleicht wird die Notenbank in kleinen Schritten die Zinsen minimal anheben. Das wird aber weder der Wirtschaft noch der Bewertung von Aktien schaden. Global können die Zinsen wohl zudem kaum steigen, weil sonst viele Staaten pleite wären. Sie brauchen die niedrigen Zinsen, um ihre Rekordschulden tragen zu können.

DT: Führen niedrige Zinsen aber nicht zu einer Überhitzung der Konjunktur?

Herrlinger: Und trotzdem zieht die Inflationsrate nicht an. Ein Grund dafür sind die fallenden Rohstoffpreise, vor allem beim Öl. Und ich sehe nicht, dass dieser Trend in naher Zukunft dreht. Das Ölangebot steigt weiter, gleichzeitig sinkt die Nachfrage, nicht zuletzt, weil die Wirtschaft in China nicht mehr so gut läuft.

DT: Das ist sehr vorsichtig ausgedrückt. In China findet gerader ein enormer Aktiencrash statt. Und in Europa sieht es auch nicht besser aus. Der DAX ist gerade unter die 9.400 Marke gefallen.

Herrlinger: Was China angeht, so kann das auch ein heilsamer Schock sein, auch für Ausländer, die bisher interessiert an die Börse von Shanghai geblickt haben. Die Staatsführung hatte geglaubt, mit der Börse einen neuen Wohlstandsgenerator fürs Volk gefunden zu haben. Dabei sind und bleiben Chinas Börsen eine Art Kasino, was auch der Anlegermentalität der Chinesen entspricht. Peking versucht zwar, durch politische Maßnahmen gegenzusteuern. Aber das ist nicht Erfolg versprechend.

DT: Könnte der Crash nicht aber auch eine tiefer gehende Krise auslösen?

Herrlinger: Ich halte ich die Folgen für begrenzt. Richtig ist aber, dass China Probleme hat. Wir hören aus den Unternehmen, dass bei fast allen das China-Geschäft stottert oder stagniert. Dieser wichtige Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft fällt also weg. Auch deshalb werden die Zinsen weltweit noch lange nicht steigen. Ich verweise hier im übrigen gerne auf unseren monatlich erscheinenden „partners‘ view“ unter www.swisspartners.com, wo wir dies schon seit Monaten sagen.

DT: Und die Kurse Ihrer sogenannten Qualitätsaktien werden weiter steigen? Das glauben doch auch viele Investoren in den 90er- Jahren, die Aktien wie die der Deutsche Telekom oder Technologiewerte kauften. Diese Aktien wurden damals astronomisch bewertet, bis der Wind drehte und die Kurse fielen.

Herrlinger: Es gibt da wesentliche Unterschiede. Die Zinsen lagen damals bei über fünf Prozent, und die Firmen wurden völlig übertrieben bewertet. Heute liegt der Zins bei null und das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist unserer Meinung nach in Ordnung. Zudem versuchen wir immer, Qualitätsunternehmen dann zu kaufen, wenn ihre Kurse nach unten gehen und sie günstig bewertet sind. Das erfordert natürlich etwas Mut und zudem viel Erfahrung. Aber auf längere Sicht gesehen zahlt es sich aus.

DT: Was könnte Ihre positive Sicht auf die Entwicklung des Aktienmarktes zunichtemachen?

Herrlinger: Ein Risiko ist eine Rückkehr zur Politik des Protektionismus. Das würde sich auf die meisten Aktien sehr negativ auswirken. Oder aber die Weltwirtschaft entwickelt sich viel schlechter als erwartet.

DT: Manche setzen wegen eben solcher Risiken lieber auf den Rohstoff Gold statt auf Aktien.

Herrlinger: Gold ist ein wichtiger Baustein unserer Portfolios, auch wenn dessen Anteil in den vergangenen Jahren deutlich gesunken ist. In den vergangenen Tagen haben wir allerdings die Quote wieder auf knapp fünf Prozent angehoben. Nachdem China seine Währung, den Renminbi abgewertet hat, wird immer deutlicher, dass uns der globale Abwertungswettlauf der Währungen noch lange beschäftigen dürfte. Gold ist für uns die Währung der letzten Instanz und eine Versicherung gegen Risiken, die wir uns heute noch gar nicht ausmalen können.

DT: Was könnte das sein?

Herrlinger: Wenn beispielsweise die Inflation drastisch anziehen sollte, oder Länder wie Russland oder Brasilien kollabieren sollten, dann würde Gold wieder zum Zufluchtsort. In zehn Jahren, fürchte ich, dürfte der Goldpreis deutlich höher liegen als heute, denn die Staatsschuldenproblematik ist nach lange nicht gelöst. Deswegen empfehlen wir auch dringend eine Diversifizierung der Vermögenswerte in die Schweiz, die aufgrund ihrer Stabilität und ihrer direkten Demokratie zusätzliche Sicherheiten bietet. Die Schweizer Banken sind hervorragend kapitalisiert, was ein weiterer Vorteil ist. Diese Empfehlung gilt übrigens nicht nur für Wohlhabende.

DT: Herr Herrlinger, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Herrlinger: Ich danke Ihnen. Interessierte Leser unserer Kolumne können mich gerne über die E-Mail-Adresse uwe.herrlinger@swisspartners.com kontaktieren.

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