DT2go Lesetipp:

DT-Finanzkolumne Ausgabe November

Negativzinsen: Ein Blick in die Geschichtsbücher

DT-Finanzkolumne DT-Finanzkolumne

Unsere monatliche DT-Finanzkolumne wird betreut von Uwe Herrlinger. Er ist Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung swisspartners AG in Vaduz:

Der US Dollar zeigt wieder Stärke und zwar gegenüber allen Währungen. Beim Euro wurde die Marke von 1.10 unterschritten. Gegenüber dem Schweizer Franken näherte sich der Greenback fast dem Paritätskurs von 1:1.

Pfund auf Tauchkurs

Mit ihrer klaren Haltung für einen harten Brexit hat Englands Premierministerin Theresa May zwar ihre Anhänger verzückt, das britische Pfund jedoch auf Talfahrt geschickt. Gegenüber dem Euro fällt das Pfund auf den tiefsten Stand seit 2011 (siehe Chart). Das hat Folgen. Alleine die Importe aus Deutschland (89 Milliarden Euro) verteuerten sich in den letzten Monaten um rund 15 Milliarden! Dies sind die ersten Auswirkungen des bevorstehenden britischen Alleingangs. Auf der anderen Seite wird Englands Exportwirtschaft – so wie früher Italien jahrzehntelang – von dieser Abwertung stark profitieren.

Grafik: (c) swisspartners AG in Vaduz

Wechselkurs Pfund zu Euro. Grafik: (c) swisspartners AG in Vaduz

Blick in die Geschichtsbücher

Würden noch mehr Länder dem Beispiel Grossbritanniens folgen und die Europäische Union verlassen, wäre dies das Ende des Euros. Das System der Einheitswährung entstand 1979 mit der Lancierung des ECU (European Currency Unit) und 1999 mit der Einführung des Euros in Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien. Dass der Euro nicht nur der EU, sondern auch der Schweiz eine gewisse währungspolitische Stabilität brachte, zeigt ein Blick in die Geschichtsbücher: 1944 – also kurz vor Beendung des 2. Weltkrieges – wurde mit Bretton Woods ein System der festen Wechselkurse zum US Dollar geschaffen. Der US Dollar wiederum war durch Gold hinterlegt.

Als 1971 US-Präsident Nixon die Goldbindung des Dollars aufhob, zweifelten viele am Weiterbestehen dieses Wechselkurssystem. Eine Spekulationswelle setzte ein und Dollars wurden (noch zu fixen) Wechselkurse in Schweizer Franken getauscht. Für jeden Dollar erhielt man 4.37 Franken. Die Schweiz reagierte mit Negativzinsen und Verboten. Die Flucht in den Schweizer Franken ging jedoch weiter und 1973 waren die Schweiz und Grossbritannien die ersten Länder, die bei Bretton Wood ausstiegen. Wenig später wurde das System der festen Wechselkurse aufgehoben.

Sollte der Euro scheitern, würde eine Flucht in den Schweizer Franken, den Yen und den US Dollar einsetzen, wobei der Franken aufgrund seines kleinen Marktes am stärksten Auftrieb erhalten würde.

Negativzinsen; schon mal dagewesen

Der Blick zeigt uns ausserdem, dass Negativzinsen keine neue Erfindung sind. Der Unterscheid von heute zu damals ist jedoch entscheidend: Negativzinsen wurden nur für kurzfristiges ausländisches Kapital im Schweizer Franken erhoben. 1971 war klar, dass spekulatives Geld von ausländischen Anlegern und nicht von einheimischen Pensionskassen und Versicherungen kam. Die hiesigen Finanzmarktakteure im Inland halten Schweizer Franken, weil dies ihre Verpflichtungswährung ist. Die Strafe, die sie heute dafür zahlen (Negativzins) ist unsinnig und hat nichts mit dem Kampf gegen eine Frankenaufwertung zu tun. Die Schweizerische Nationalbank täte gut daran, die Geschichtsbücher von 1971 zu lesen.

Interessierte Leser unserer DT-Finanzkolumne können mich gerne über die E-Mail-Adresse: uwe.herrlinger@swisspartners.com kontaktieren.

Uwe Herrlinger, swisspartners AG Zürich, Foto: (c) privat

Uwe Herrlinger, swisspartners AG Zürich, Foto: (c) privat

Uwe Herrlinger, Jahrgang 1968, ist gebürtiger Homburger. Nach dem Abitur am Saar-Pfalz-Gymnasium, Banklehre bei der Dresdner Bank in Saarbrücken und Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Passau verdiente er sich zunächst seine Sporen im Investment Banking Geschäft in der City von London. Er baute dann in Frankfurt das Firmenkundengeschäft für eine spanische Großbank auf, bevor er vor 13 Jahren in die Schweiz zog. Dort arbeitete er zunächst für die Privatbank Vontobel im Asset Management und betreute dann vermögende Privatkunden bei UBS, der grössten Schweizer Bank. Seit 2013 ist er Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung swisspartners AG in Vaduz.

Diese Website benutzt Cookies

Um unser OnlineMagazin für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen und Widerspruchshinweise erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.