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DT-Finanzkolumne Ausgabe Januar

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Unsere monatliche DT-Finanzkolumne wird betreut von Uwe Herrlinger. Er ist Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung swisspartners AG in Vaduz:

Donald Trump als Katalysator

Die erfreuliche Performance der US-Aktienindizes in 2016 und vor allem die markanten Kursgewinne seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten stellen uns vor die Frage, wie nachhaltig diese Avancen wirklich sind. Für den Jahresausklang bis Mitte Januar hegen wir keine unmittelbaren Bedenken. Doch sind die US-Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 bewertet, was wenig Raum für Unsicherheiten lässt. Wir stimmen zu, dass der US-Markt ein gewisses Mass an stimulierenden Fiskalmassnahmen in Form von Steuerkürzungen und Infrastrukturausgaben eingepreist hat. Dies lässt die Bewertungen verständlicher, in gewissen Fällen sogar günstig, erscheinen. Allerdings sind da viele Wenn und Aber…

INDU Index

INDU Index für den Zeitraum vom 08.11.2016 bis 19.12.2016. Grafik: (c) swisspartners AG Vaduz 2016

Nach dem Taper das Trump Tantrum?

Spätestens Ende Januar (nach Trumps Amtsantritt am 20.) oder Anfang Februar besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Aktien nach unten korrigieren. Denn dann enden die präsidialen Flitterwochen, und die Anleger besinnen sich verstärkt auf die Realität. Eines ist sicher, Trump ist ein Disruptor und markiert einen politischen Kurswechsel. Wie im Jahr 2013 die US-Notenbank, als diese das Quantitative Easing-Programm reduzierte, und die Bond-Renditen panikartig nach oben schossen. In Anlehnung an dieses sogenannte Taper Tantrum könnten wir uns so etwas wie ein Trump Tantrum vorstellen: Um seine Kürzung der Unternehmenssteuern durchzuboxen, könnte Trump durchaus mit seinem Rücktritt drohen.

Es liegen bereits erste Kommentare aus dem Senat vor, welche darauf pochen, dass stimulierende Fiskalmassnahmen defizitneutral sein müssen (was immer das auch heisst), und wir wissen zudem, dass viele Mitglieder der republikanischen Partei nicht zu Trumps grössten Fans gehören. Dies lässt Raum für Volatilität! Weitere Bedenken könnten die Gewinnaussichten von US-Unternehmen betreffen, welche durch die Stärke des US-Dollars beeinträchtigt werden. Ein weiterer Ausverkauf von US-Dollar-Anleihen könnte ebenfalls Kurskorrekturen auslösen.

Wir würden derartige Marktschwächen als Kaufgelegenheit nutzen (geschickt agiert, wer genügend Liquidität hat), denn unser Ausblick auf 2017 bleibt insgesamt positiv. Wir erwarten, dass ein guter Teil der vorgeschlagenen Fiskalmassnahmen durchgewunken wird, die Unternehmensgewinne anziehen und sich die Anleger vermehrt an den Aktienmärkten engagieren.

Europa und US-Anleihen als Opportunität

Derweil könnten europäische Aktien ihre US-Pendants outperformen. Sie verfügen über eine genügend hohe politische Risikoprämie. Und bis zu den Wahlen in Frankreich im April/Mai stehen keine wichtigen politischen Ereignisse an. Der schwächere Euro und der höhere Leverage in den Unternehmensbilanzen verleihen einen soliden Auftrieb. Die günstigeren Bewertungen könnten ausserdem internationale sowie US-Investoren anziehen, welche sich wegen der überhöhten Preise der US-Aktien sorgen.

Wir glauben, dass bei den US-Anleihen der Bärenmarkt eingeläutet wurde. Zugleich erinnern wir daran, dass auch in Bärenmärkten Rallys möglich sind. Im Fixed Income-Bereich können diese recht markant ausfallen. Auch wir nehmen an, dass die US-Notenbank 2017 bis zu drei Zinserhöhungen durchführen wird. Wir sind aber noch nicht überzeugt, ob dies auch für 2018 zutreffen wird. Es ist durchaus möglich, dass sich die zehnjährige US-Rendite um 3 Prozentpunkte oder noch mehr erhöht. Dies könnte eine kurzfristige Tradinggelegenheit ergeben, sofern sich die Inflationserwartungen mässigen.

Alle Welt freut sich auf die Party

Das Fiskalexperiment der USA könnte klappen und das US-Wirtschaftswachstum deutlich beschleunigen. Dies würde Druck auf andere Staaten ausüben, ebenfalls diese Formel aus Steuerkürzungen und Fiskalstimuli zu übernehmen. Sogar die deutsche Regierung sieht sich dazu gedrängt, wenn auch unter grossem Protest. Zu gross ist der Druck der Wähler. Der Bullenmarkt an den Aktienmärkten, welcher je nach Sichtweise 2009 oder 2011 begann, entpuppt sich als einer der längsten in der Geschichte und könnte noch weitere sieben bis zehn Jahre dauern. Das weckt Erinnerungen an die 80er-Jahre!

Interessierte Leser unserer DT-Finanzkolumne können mich gerne über die E-Mail-Adresse: uwe.herrlinger@swisspartners.com kontaktieren.

Uwe Herrlinger, swisspartners AG Zürich, Foto: (c) privat

Uwe Herrlinger, swisspartners AG Zürich, Foto: (c) privat

Uwe Herrlinger, Jahrgang 1968, ist gebürtiger Homburger. Nach dem Abitur am Saar-Pfalz-Gymnasium, Banklehre bei der Dresdner Bank in Saarbrücken und Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Passau verdiente er sich zunächst seine Sporen im Investment Banking Geschäft in der City von London. Er baute dann in Frankfurt das Firmenkundengeschäft für eine spanische Großbank auf, bevor er vor 13 Jahren in die Schweiz zog. Dort arbeitete er zunächst für die Privatbank Vontobel im Asset Management und betreute dann vermögende Privatkunden bei UBS, der grössten Schweizer Bank. Seit 2013 ist er Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung swisspartners AG in Vaduz.

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