DT2go Lesetipp:

DT-Finanzkolumne Ausgabe August

Niedrige Inflationsrate. Langsame Erhöhung der US- und europäischen Zinsraten erwartet.

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Unsere monatliche DT-Finanzkolumne wird betreut von Uwe Herrlinger. Er ist Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung swisspartners AG in Vaduz:

Niedrige Inflationsrate

Beginnen wir der US Federal Reserve, die ein klares duales Mandat hat: Niedrige Arbeitslosenquote und eine Inflation nahe bei 2%. Ihr Ziel einer tiefen Arbeitslosigkeit hat sie mit einer Quote von unter 5% deutlich erreicht (es könnte argumentiert werden, dass dies aufgrund von Faktoren zustande kam wie zum Beispiel Personen, die aus dem Arbeitsmarkt herausgefallen sind). Ebenso deutlich hat sie den zweiten Teil des Mandats, das Inflationsziel, verfehlt. Während die US Federal Reserve glaubt, dass die Inflation früher oder später anziehen wird, könnte sie vom schwachen Lohnwachstum und dem sehr bescheidenen US-BIP-Wachstum von etwa 2% etwas geblendet sein. Andere Faktoren, wie der erwartete fiskalpolitische Stimulus von Washington (Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben) scheinen sich bis mindestens nächstes Jahr zu verzögern (einige sagen sogar, bis 2019 nach den US-Halbzeitwahlen).

Angesichts des ziemlich moderaten natürlichen Wachstums der US-Wirtschaft erwarten wir, dass sich die Fed hinsichtlich Zinserhöhung und Bilanzreduktion im Schneckentempo bewegen wird.

Europäische Zentralbank

Bewegt sich die Federal Reserve im Schneckentempo, so ist es wahrscheinlich, dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) im Tempo eines Faultiers bewegt – unter Anbetracht ihres einzigen Auftrags der Preisstabilität. Denn von einer Inflation auf oder nahe bei 2% ist sie zurzeit weit entfernt. Auch der jüngste Anstieg des Euros, insbesondere dem USD gegenüber, wird für die EZB etwas problematisch sein. Denn bleibt der Trend bestehen, bedeutet das wahrscheinlich ein weiteres Unterschreiten ihres Inflationsziels. Der starke Euro wird Importe günstiger machen. Ein Paradebeispiel ist der Ölpreis aber auch die Preise anderer Rohstoffe, die für die europäischen Hersteller ein Kostenfaktor ihrer Endprodukte darstellen.

Zwar ist es nicht in ihrem Auftrag festgehalten, doch ist es offensichtlich, dass die EZB auch die Arbeitslosenquote der Eurozone im Blick behält. Diese liegt nahe 10% und die Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern gar bei 20%. Die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank eine aggressivere Geldpolitik anschlagen wird, scheint damit unsinnig. Wir sind uns bewusst, dass die jüngste Stärke des Euros teilweise auf die Erwartungen zurückzuführen ist, dass die EZB in ihrem September-Meeting über eine Bilanzreduktion debattieren könnte. Aber: Reden und Handeln sind zweierlei!

Investoren sollten sich die Proteste von Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäische Zentralbank, vor Augen führen, dass es viel zu früh sei, über eine weniger expansive Geldpolitik nachzudenken. Die andere Seite der Gleichung ist die Schwäche des US-Dollars, welche aufgrund von ununterbrochenen Schlagzeilen in den Medien und Untersuchungen um Donald Trump zu Stande kommt. Irgendwann muss Trump ja wohl eine Pause einlegen!

Warum sind die Märkte volatiler geworden, wenn wir recht haben?

Der beste Weg ist es vielleicht, eine Analogie herzustellen. Wenn man einem starken Raucher sagt, er müsse sofort damit aufhören, wird er nervös reagieren und noch mehr Tabak konsumieren. Nimmt man ihm nur jeden zweiten Monat eine Zigarette weg, wird die Reduktion sehr graduell verlaufen und vielleicht nicht einmal bemerkt werden. Das ist der magische Trick, den die US Federal Reserve über eine lange Zeit hinweg anzuwenden versuchen wird.

Viele Kommentatoren meinen, es sei die Aufgabe der Notenbank, die Party-Bowle an den Märkten wegzuräumen. Wir glauben hingegen, dass es wichtiger ist, die Bowle weniger stark zu machen: Anstelle von drei, nur noch zwei Flaschen Wodka rein!

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