DT2go Lesetipp:

Deutsche Tribüne

Sprachrohr des europäischen Vormärz.

Johann Georg August Wirth benutzte eine Kniehebelpresse. Heute steht sie im Siebenpfeffer-Haus in Homburg. (c) Jörg Herrlinger

„Deutsche Tribüne“ war der Name der Zeitung die Johann Georg August Wirth vom 1. Juli 1831 bis 18. März 1832 herausgab. Sie gilt als Sprachrohr des liberal-demokratischen und europäischen Vormärz. Die Zeitung wurde in einer Auflage von 5.000 Exemplaren in Deutschland und Frankreich verbreitet.

Seit Juli 1831 erschien die „Deutsche Tribüne“ zunächst in München. Doch der bayerische König Ludwig I. hatte schon im Januar 1831 die Kontrolle über die dortige Presse verschärft. Die Behörden verfügten dadurch über ein ganzes Arsenal von Zwangsmitteln, um systemkritische Zeitungen zu schikanieren – durch den Entzug von Anzeigen, die Erschwernis des Vertriebs, Beschlagnahme einzelner Ausgaben, den Lizenzentzug für Druckereien oder die Verhängung von Geld- und Gefängnisstrafen über Journalisten.

Ausgabe drei vom 3. Januar 1832. Original im Stadtarchiv Homburg

Ausgabe drei vom 3. Januar 1832. Original im Stadtarchiv Homburg

Durch sie wurden die Ansichten der liberalen und demokratischen Opposition im Deutschen Bund verbreitet. Erstmals wurde in dieser Zeitung ein Konzept für einen einheitlichen deutschen Nationalstaat mit demokratischer Verfassung entworfen.
Doch in den Artikeln wurde nicht nur die politische Situation in Deutschland diskutiert, sondern auch die Entwicklung im europäischen Ausland. Das Frankreich unter König Louis Philippe, die Anfänge des belgischen Staates, der portugiesische Bürgerkrieg oder die Reformbemühungen in England wurden aufmerksam begleitet. Die Fragen der Verfassungsentwicklung, der bürgerlichen Freiheiten und besonders der Pressefreiheit fanden besondere Beachtung. Der polnische „Novemberaufstand“ (29. November 1830) und die „Polenfrage“ bildeten zentrale Themen der Zeitung. Die „Deutsche Tribüne“ erschloss also nicht nur die bürgerliche Vereinsbewegung, deren kommunikative Netzwerke und die verborgenen politischen Betätigungen während der Restaurationszeit in Deutschland, sondern auch in den europäischen Nachbarländern.

Die „Deutsche Tribüne“ gilt unter Historikern als geeignetes Dokument für die deutsche Zensurpraxis jener Jahre. Der Herausgeber kommentierte nicht nur die Probleme mit den Zensurbehörden, sondern zahlreiche Zensurlücken beweisen den staatlichen Umgang mit unliebsamen Publikationen.

In unserem multimedialen Webspecial erfahren Sie mehr über das Leben und Werk von Johann Georg August Wirth.

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